Die Azubi-Revolution in der Lerchenstraße: Wie REWE Markt GmbH den Fachkräftemangel an der Kasse besiegt
In München übernehmen Auszubildende das Kommando, während der Konzern durch die Tegut-Übernahme weiter expandiert. Ein Deep-Dive in die preisgekrönte Personalstrategie der REWE Markt GmbH.
Das Wichtigste in Kürze
- Auszeichnung mit dem Deutschen Fachkräftepreis 2025 in der Kategorie Weiterbildung.
- Geplante Übernahme von bis zu 40 Tegut-Filialen zur Stärkung der Marktpräsenz.
- Erfolgreiches Projekt 'Azubis leiten einen Markt' zur Förderung der Eigenverantwortung.
Es ist 07:00 Uhr morgens in der Münchner Lerchenstraße. Normalerweise herrscht hier die routinierte Betriebsamkeit erfahrener Marktleiter, doch in dieser Woche ist alles anders. Junge Gesichter, die sonst eher in der zweiten Reihe stehen, koordinieren nun die Warenannahme, planen die Personaleinsatzpläne und verantworten die Tagesumsätze. Die REWE Markt GmbH hat das Projekt 'Nachwuchskräfte leiten einen Markt' ins Leben gerufen, um die Fachkräfte von morgen direkt ins kalte Wasser zu werfen – unter Aufsicht, aber mit voller Entscheidungsgewalt. Diese Szene ist symptomatisch für einen Konzern, der verstanden hat, dass man im Kampf um Talente im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) neue, radikale Wege gehen muss.
Die Machtübernahme der Generation Z
Das Projekt in München ist kein Einzelfall, sondern Teil einer bundesweiten Strategie. In Zeiten, in denen der Einzelhandel händeringend nach Personal sucht, setzt REWE auf maximale Eigenverantwortung. Die Bewertungen zeigen deutlich, dass gerade diese frühen Aufstiegschancen und die Wertschätzung der jungen Generation ein entscheidender Faktor für die Arbeitgeberattraktivität sind. Wer heute als Azubi einen Markt leitet, ist morgen bereit für die stellvertretende Marktleiterposition. Für Bewerber bedeutet dies: Die klassische Ochsentour durch die Regalgänge wird durch beschleunigte Karrierepfade ersetzt. Wer Engagement zeigt, findet passende Stellen auf IC Jobz, die weit über das bloße Kassieren hinausgehen.
Expansion in Zeiten der Konsumflaute: Der Tegut-Coup
Während andere Wettbewerber Standorte konsolidieren, schaltet die REWE Markt GmbH auf Angriff. Die geplante Übernahme von bis zu 40 Tegut-Filialen, nachdem sich die Schweizer Migros aus dem deutschen Markt zurückgezogen hat, ist ein deutliches Signal. Diese Expansion schafft nicht nur Sicherheit für die bestehenden Tegut-Mitarbeiter, sondern generiert auch massiven Bedarf an neuen Fachkräften in Regionen wie Hessen und Thüringen. Die Integration solcher Filialnetze erfordert eine logistische und personelle Meisterleistung. Für Fachkräfte aus dem mittleren Management bietet dieser Umbruch spannende Einstiegsmöglichkeiten, um Transformationsprozesse in der Nahversorgung aktiv mitzugestalten.
Der Deutsche Fachkräftepreis als Ritterschlag
Die Bemühungen des Unternehmens blieben nicht unbemerkt. Im Februar 2025 wurde die REWE Markt GmbH Süd in Berlin mit dem 'Deutschen Fachkräftepreis' ausgezeichnet. Die Bundesregierung würdigte damit insbesondere den innovativen Ansatz zur Fachkräftesicherung durch gezielte Weiterbildung. In der Begründung hieß es seitens der Jury: 'REWE zeigt eindrucksvoll, wie durch die Verzahnung von Theorie und Praxis sowie die frühe Übertragung von Verantwortung die Bindung an das Unternehmen nachhaltig gestärkt wird.' Dieser Preis ist mehr als nur eine Urkunde; er ist ein Versprechen an die Belegschaft, dass Investitionen in den Kopf Vorrang vor reiner Prozessoptimierung haben.
Vom Azubi zum eigenen Chef: Das genossenschaftliche Modell
Ein Alleinstellungsmerkmal im Recruiting der REWE ist die Perspektive der Selbstständigkeit. Das genossenschaftliche Modell erlaubt es ambitionierten Mitarbeitern, nach einigen Jahren Berufserfahrung und entsprechenden Qualifizierungsprogrammen, ihren eigenen Markt als selbstständige Kaufleute zu übernehmen. Dies ist ein starkes Argument im Wettbewerb mit Discountern. Die Aussicht, vom Angestellten zum Unternehmer im eigenen Kiez aufzusteigen, zieht eine Klientel an, die unternehmerisch denkt. Wer regional verwurzelt bleiben möchte, kann über das Jobz-Radar gezielt nach Märkten suchen, die dieses Partnermodell fördern.
Herausforderungen im ländlichen Raum
Trotz aller Erfolge bleibt der Arbeitsmarkt im LEH angespannt. Besonders in ländlichen Regionen ist es schwierig, die Schichtpläne vollumfänglich zu besetzen. Hier experimentiert REWE mit flexibleren Arbeitszeitmodellen und digitalen Tools zur Dienstplanung, um die Work-Life-Balance zu verbessern. Die Digitalisierung der Märkte – von Self-Checkout-Terminals bis hin zu KI-gestützter Bestandsführung – entlastet das Personal von repetitiven Aufgaben und schafft Raum für das, was den Supermarkt der Zukunft ausmacht: Beratung und Service. Für Quereinsteiger bietet dies eine niedrige Hürde, da moderne Systeme viele Fachkenntnisse im Hintergrund abfangen.
Fazit: Eine Blaupause für den Handel?
Die REWE Markt GmbH beweist, dass der Fachkräftemangel kein Schicksal ist, sondern eine Managementaufgabe. Durch die Kombination aus mutigen Nachwuchsprojekten, strategischer Expansion und der Wertschätzung durch nationale Preise positioniert sich das Unternehmen als Vorreiter. Für Bewerber ist die Botschaft klar: Der Einzelhandel bietet 2026 mehr als nur einen Job – er bietet eine Karriereplattform mit unternehmerischem Tiefgang. Unternehmen anderer Branchen können von diesem Fokus auf Eigenverantwortung lernen, um die Generation Z nicht nur zu gewinnen, sondern langfristig zu binden. Wer Teil dieser Entwicklung sein möchte, sollte die Augen nach den nächsten 'Azubi-Märkten' offenhalten.
Unternehmen im Beitrag
REWE Markt GmbH
Lebensmitteleinzelhandel · Köln
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